41
41

41-0474_PCD1042-019

Cities are in a constant state of flux… some more than others, and some less voluntarily than others..

This is a photograph I took in the hillside suburbs of Beirut circa 1990, when I visited there for the first time in perhaps 15 years. Hostilities from consecutive conflicts and various wars had recently ceased, and it was seemingly safe to go back and visit the city of my birth.

The amount of destruction was overwhelming, particularly in the downtown area, where it was total. That same area has now been reconstructed, but it lacks soul. Its history has been covered by a veneer of everything new, including European designer stores, and posh sidewalk cafes.

I remember strolling in Beirut at night as a child. I remember activity, and taxis, and open storefronts. I remember the palm trees and the distinct 19th Century architecture which has been beautifully reconstructed in the downtown area. But alas, it simply has no charm of a living city, for this is a resurrected city. Everything is of the same age. It is lit as if it were part of DisneyWorld. At a certain point in the late evening, or early morning, depending on the day of the week, it feels like the last waiter from a café went home and turned off all the lights. There are no residents, no pedestrians, nothing, just the ghosts of former residents of many centuries, agonizing over the pain of suffering and loss.

Even after the war had ended, it was very intimidating if not difficult, if not impossible to walk around with a real camera in hand. So I resorted to photographing from a moving car whenever I was in one as a passenger. And a passenger is all I can or want to be in Lebanon, because driving there is an absolute nightmare, at least for a visitor. In fact, the camera allows me to hide and only see details which I attempt to photograph, rather than experience the constant chaos and the risks taken by a populace so inconsiderate and disrespectful of the simplest laws of traffic. It is a miracle one doesn’t see more accidents…

I humorously named the series “Drive By Shooting” as I tried to capture as many scenes of the city as possible from an erratically moving vehicle.

A remarkable feature of the Beirut landscape is the huge number of concrete shells of buildings that were started during a boom just before the war in 1984, but never got finished, even long after the war had “unofficially” ended, due to lack of money. Many of them even show the scars of battle as some floors have collapsed on top of each other. Some have even become famous landmarks of the city, such as the centrally located Murr Building which can be considered a skyscraper by Beirut standards. It simply stands empty in its grayish brown suit, as a constant reminder of two decades of strife that has deeply affected the city for generations to come.

(written April 2006)

mondolucien flickr


Deutsch

41-0474_PCD1042-019

Großstädte sind ständig in Bewegung … manche mehr als andere, und manche weniger freiwillig als andere.

Dieses Foto machte ich ungefähr 1990 in einem Vorort von Beirut, als ich dort das erste Mal seit vielleicht 15 Jahren war. Die Feindseligkeiten der vielen Konflikte und verschiedenen Kriege hatten kurz zuvor aufgehört und es schien sicher zu sein, zurückzukehren und meinen Geburtsort zu besuchen.

Es war überwältigend, wie hoch das Ausmaß der Zerstörung war, besonders im Zentrum der Stadt, das total zerstört war. Diese Gegend wurde inzwischen wiederaufgebaut, aber nun fehlt ihr ihre Seele. Ihre Geschichte wurde überdeckt mit einer Fassade des Brandneuen, einschließlich europäischer Designerläden und piekfeiner Straßencafés.

Ich erinnere mich daran, wie ich als Kind nachts durch Beirut schlenderte. Ich erinnere mich an reges Treiben und Taxis und offene Läden. Ich erinnere mich an die Palmen und die besondere Architektur aus dem 19. Jahrhundert, die jetzt in der Innenstadt wunderschön rekonstruiert wurde. Doch leider hat es nun einfach nicht mehr den Charme einer lebendigen Stadt, denn es ist eine wieder belebte Stadt. Alles stammt aus der gleichen Zeit. Die Gegend ist beleuchtet, als sei sie Teil von DisneyWorld. Zu einem bestimmten Zeitpunkt spätabends oder frühmorgens, je nachdem, um welchen Tag es sich handelt, hat man das Gefühl, der letzte Kellner eines Cafés sei nach Hause gegangen und habe alle Lichter ausgemacht. Es gibt keine Anwohner, keine Fußgänger, nichts, nur die Geister derer, die Jahrhunderte lang die Stadt belebten und nun vom Schmerz des Verlusts geplagt werden.

Selbst nach Ende des Kriegs war es beängstigend, um nicht zu sagen schwierig, um nicht zu sagen unmöglich, mit einer echten Kamera in der Hand herumzulaufen. Also ging ich dazu über, Fotos aus fahrenden Autos zu machen, wann immer ich mit jemandem mitfuhr. Und mehr als ein Mitfahrer würde ich im Libanon nicht sein wollen, denn dort zu fahren ist ein absoluter Alptraum, zumindest für Besucher. Im Grunde kann ich mich hinter der Kamera verstecken und nur die Details sehen, die ich zu fotografieren versuche, anstatt das andauernde Chaos zu erleben und die Risiken, die eine Bevölkerung ohne Rücksicht oder Respekt für die einfachsten Verkehrsregeln auf sich nimmt. Es ist ein Wunder, dass man nicht mehr Unfälle sieht…

Ich nannte die Serie jovial „Drive By Shooting“ – Vorbeifahrknipserei – da ich versuchte, so viele Szenen der Stadt wie möglich einzufangen aus einem Auto, das sich unberechenbar fortbewegte.

Ein beeindruckender Teil der Landschaft von Beirut sind die zahlreichen Betonrohbaue, die während eines Booms kurz vorm Krieg 1984 begonnen worden waren, aber nie vollendet wurden, selbst nachdem der Krieg „inoffiziell“ schon lang vorbei war; das Geld fehlte. Viele von ihnen weisen sogar Kriegsverletzungen auf, Stockwerke kollabierten aufeinander. Ein paar sind gar zu berühmten Wahrzeichen der Stadt geworden, wie etwa der Murr Tower im Zentrum, der nach Beiruter Verhältnissen als Wolkenkratzer durchgeht. Er steht einfach leer da in seinem braunen Anzug, als ständige Erinnerung an die zwei Jahrzehnte voller Konflikte, die noch für Generationen das Bild der Stadt prägen werden.

3940.JPG414243